10.11.09 13:15 Uhr

Bericht von der Fachtagung Alphabetisierung

 

Münster/Hannover | Zur gesellschaftlichen Teilhabe durch kulturelle Grundbildungsangebote?

Erfahrungen und Erfolge eines thematisch erweiterten Grundbildungsverständnisses wurden vom 4. bis 6. November auf der Fachtagung "Kunst. Kultur. Aktion." vorgestellt.  In Vorträgen, Workshops und Podiumsdiskussionen diskutierten mehr als 300 Experten und Betroffene verschiedene Fachthemen und gingen dabei insbesondere auf die Interessen funktionaler Analphabeten ein.
"Grundbildungsangebote sollten nicht nur Lese- und Schreibkenntnisse vermitteln, sondern auch eine kulturelle Alphabetisierung beinhalten und damit die Chance auf gesellschaftliche Teilhabe bieten", formulierte Peter Hubertus, Geschäftsführer des Bundesverbands Alphabetisierung und Grundbildung e.V. den Anspruch der diesjährigen Fachtagung in Hannover. Zum Auftakt am ersten Tag folgten nach Grußworten durch VertreterInnen des Landtags sowie des BMBF thematisch einführende Vorträge zu Kunst, Kultur und Kreativität. Den Aktionsschwerpunkt repräsentierten die Projekte "iCHANCE" und die ABC-Zeitung aus Oldenburg.

Der Donnerstag stand weiter unter dem Motto der Kulturaktionen. Nach einem Blick auf die österreichischen Nachbarn gab es ein wirklich "komisches" Buch zu bestaunen, das von LernerInnen der VHS Norden verfasst wurde und auch schon auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse vorgestellt wurde. Die Präsentation vermittelte sehr plastisch die entspannte und lebensnahe Beziehung zwischen Alphabetisierung und Humor. Am Nachmittag stellten die Forschungsprojekte des BMBF-Förderschwerpunkts im Rahmen einer Projektmesse ihre Arbeit vor.

Der letzte Tag stand im Zeichen eines Resümees zum Zusammenhang von kultureller Bildung und Alphabetisierung. Prof. Dr. Helmut Bremer diskutierte mit den Anwesenden die Rolle von Alltagskulturen in den verschiedenen sozialen Milieus und deren Konsequenzen für Bildungsprozesse. Prof.'in Carmen Mörsch analysierte und kritisierte in ihrem Abschlussvortrag die herrschenden Legitimationsstrategien für kulturelle Bildung. Neben dem inhaltlichen Schwerpunkt von Kunst, Kultur und Aktion richtete sich ein weiterer Teil der Seminare an die Lehrenden in der Alphabetisierung. So berichtete PROFESS-Verbundleiter Frank Drecoll über einschlägige Konsequenzen aus dem Europäischen Qualifikationsrahmen für die Alphabetisierung in Deutschland. Für Interessierte gibt es hier einen Seminarbericht.